Die Pro- und Contra-Argumente

Was Sie für Ihre Entscheidung am 27. September wissen müssen.

Welche Frage wird bei der Volksbefragung genau gestellt?

Wofür soll sich die Stadt Linz im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten einsetzen?

A)

Errichtung einer neuen Brücke für Straßenbahn, Autobusse, Kraftfahrzeuge, Fahrräder und FußgängerInnen anstelle der bestehenden Eisenbahnbrücke.

B)

Sanierung der bestehenden Eisenbahnbrücke für FußgängerInnen und Fahrräder sowie Errichtung einer Begleitbrücke für Straßenbahn, Autobusse und Kraftfahrzeuge.

A) Was spricht für bzw. gegen die Errichtung einer neuen Brücke?

Verkehr

Eine neue Brücke bietet Platz für alle VerkehrsteilnehmerInnen: Straßenbahn, Busse, PKWs, Fahrräder und FußgängerInnen. Beim Siegerprojekt sind auch Sitzgelegenheiten auf integrierten Balkonen vorgesehen. Der durch die Tabakfabrik und die geplante Hafenstadt aufstrebende Linzer Osten profitiert von einer leistungsfähigen und zeitgemäßen Donauquerung und der raschen Umsetzung der neuen Straßenbahnachse.

Sicherheit

Sämtliche Bedenken, Einschränkungen und Unsicherheiten, die mit der alten oder auch sanierten Eisenbahnbrücke verbunden sind, würden wegfallen. Alle modernen Sicherheitsvorrichtungen und –vorschriften für VerkehrsteilnehmerInnen und die Donauschifffahrt können problemlos berücksichtigt werden. Das wichtigste: Die Benutzung ist im Gegensatz zur alten Eisenbahnbrücke ganzjährig und bei jeder Witterung garantiert.

Optik

Der aus 24 Teilnehmern hervorgegangene Sieger-Entwurf des Archtektenwettbewerbs für eine neue Brücke hat die 14-köpfige Jury bei nur 2 Gegenstimmen überzeugt. Mit ihren innovativ ausgeführten Bögen aus Stahl betont die Schöpfung von Marc Mimram Ingénierie SA & Marc Mimram Architecte aus Paris die Bedeutung von Linz als Stahlstadt und Creative City gleichermaßen, knüpft dabei aber dennoch respektvoll an die alte Brücke an. Die bestehende Bebauung auf beiden Ufern – man denke etwa an den Gastgarten des Gasthaus Lindbauer und das Donauparkstadion des FC Blau Weiß Linz – wird kaum beeinträchtigt.

Kosten

Für die Herstellungskosten der neuen Brücke wurde ein Richtwert von 60 Millionen Euro (inkl. Umsatzsteuer) festgelegt. Die Alternative, also die Sanierung der Brücke und Bau einer Begleitbrücke kosten ca. 100 Millionen Euro. Der Neubau ist daher um 40 Millionen Euro günstiger.

Bau

Bevor gebaut werden kann, muss die alte Eisenbahnrücke samt ihrer Pfeiler komplett abgetragen werden. Mit der Errichtung des Neubaus gehen die Planer darum von einer Bauzeit von bis zu drei Jahren aus. Solange kann an dieser Stelle niemand über die Donau und muss sich einen anderen Weg suchen.

Nostalgie

Das Donautal in der Region Linz wird sich in den nächsten Jahren stark verändern. Mit der Errichtung der vierten Brücke an der Linzer Pforte und der Erweiterung der VOEST-Brücke werden nicht nur neue Übergänge geschaffen, sondern auch in optischer Hinsicht zentrale vertraute Stadtansichten transformiert. Die neue Eisenbahnbrücke baut auf diesen Trend auf und setzt ein Zeichen für eine moderne Stadt.

B) Was spricht für bzw. gegen die Sanierung der bestehenden Eisenbahnbrücke sowie der Errichtung einer Extra-Brücke?

Verkehr

Hinsichtlich des Straßenverkehrs wurde die alte Eisenbahnbrücke am Ende des 19. Jahrhunderts für Pferdefuhrwerke und Handkarren konzipiert und ist daher entsprechend schmal. Diese baulichen Gegebenheiten und die Realität im Straßenverkehr des 21. Jahrhunderts erfordern zwingend eine sogenannte „Zweibrückenlösung“. Die alte Eisenbahnbrücke wird dabei zur fraglos großzügigen, aber wenig leistungsfähigen Fahrrad- und Fußgängerbrücke reduziert. Verkehrstechnisch ist dabei das größte Problem die Straßenanbindung auf beiden Donau-Ufern. Die durch zwei Brücken viel größere Breite stellt eine immense Herausforderung an die derzeitige Verbauung und die Streckenführung dar. Komplizierte Kreuzungen sind kaum zu vermeiden.

Sicherheit

Wird die Eisenbahnbrücke nach einer Generalsanierung wieder zum Denkmal? Vielleicht. Denkmalgeschützt wird sie jedenfalls sicher nicht. Von der alten Brücke wird nicht viel übrig bleiben. Da sie nicht aus Stahl, sondern aus dem schwereren, spröderern, weniger belastbaren und vor allem weitaus rostanfälligeren Eisen besteht, müssen mehr als 50 % des Materials ausgetauscht werden. Zudem ist nun kompromisslos Intensivpflege angesagt. Nach einer Sanierung dürfen nur mehr Leichtgewichte wie FußgängerInnen und RadfahrerInnen die Brücke benutzen. Jeder Winter wird außerdem zu einer Zitterpartie: Auf der sanierten Eisenbahnbrücke wird ein strenges Salzstreu-Verbot herrschen. Das bedeutet: Sobald Eis und Schnee auftreten, erfolgt eine Komplett-Sperre.

Optik

Eine runderneuerte, frisch gestrichene alte Eisenbahnbrücke ist sicher kein Dorn im Auge des Betrachters. Vorausgesetzt, er schaut vom Westen auf sie. Denn der vertraute Anblick bleibt nur stromaufwärts so bestehen. Stromabwärts wird die parallel verlaufende Extra-Brücke das Erscheinungsbild stark beeinträchtigen.

Kosten

Die 115 Jahre alte Brücke wurde bereits 1980 aufwändig saniert. Damit erkaufte man sich jedoch lediglich Zeit, denn das Grundproblem blieb bestehen: Je älter die Brücke wurde, desto häufiger musste sie in Behandlung. Bei alten Häusern ist das zwar genauso, Stein und Ziegel sind aber weitaus haltbarer als Eisen. Die jetzige Kostenschätzung der Brückenretter umfasst ganze zwei Seiten und ist in dieser Form unrealistisch. Klar ist: Zwei Brücken kosten mehr als eine; in diesem Fall wird von 40 Millionen an Mehrkosten ausgegangen.

Bau

Die Sanierung der alten Eisenbahnbrücke ist höchst aufwändig. Sie muss von Hand zerlegt, jeder Quadratmillimeter auf Verwendbarkeit überprüft und die Teile im Prinzip neu konstruiert und zusammengebaut werden. Wobei mehr als die Hälfte des Materials ausgetauscht werden muss. Sanierung oder Erhaltung sind eigentlich die falschen Bezeichnungen. Vielmehr müsste von einer Rekonstruktion gesprochen werden, die somit auch niemals den Originalzustand bewahren kann. Derzeit ist strittig, ob das Verfahren nur mit der komplett demontierten Brücke an Land durchgeführt werden kann oder nicht. Es wird jedenfalls nicht kürzer sein als ein Neubau. Die Idee, dass zuerst die Extra-Brücke gebaut wird und die Eisenbahnbrücke weiterbenutzt werden kann, ist unrealistisch: Es ist nicht klar, wie lange die alte Brücke überhaupt noch benutzt werden kann. Auch bei einem Erhalt der alten Eisenbahnbrücke müsste die Linzer Bevölkerung jahrelang ohne diese Donauquerung auskommen.

Nostalgie

Bleibt die Brücke, bleibt ein Stück „altes Linz“ bestehen. Zumindest auf den ersten Blick. Bei den ausgetauschten Teilen (50%) entfällt die Nietenkonstruktion, die ein fixes Bestandteil der alten Brücke ist. Des Weiteren ist klar: Die Extra-Brücke wird das Erscheinungsbild grundlegend verändern.