Die sechs Schwachstellen der Zweibrückenlösung

Bei der Volksbefragung stimmen die Linzer Bürgerinnen und Bürger über folgende Fragestellung ab:

A)

Errichtung einer neuen Brücke für Straßenbahn, Autobusse, Kraftfahrzeuge, Fahrräder und FußgängerInnen anstelle der bestehenden Eisenbahnbrücke.

B)

Sanierung der bestehenden Eisenbahnbrücke für FußgängerInnen und Fahrräder sowie Errichtung einer Begleitbrücke für Straßenbahn, Autobusse und Kraftfahrzeuge.

Plattform „Brücke für Linz“ versammelt Fachleute und interessierte BürgerInnen, die sich für den Neubau der Eisenbahnbrücke einsetzen (Variante A). Die vom Verein „Rettet die Eisenbahnbrücke“ vorgestellte Idee der Zweibrückenlösung (Variente B) leidet an mehreren Schwachstellen, wie eine intensive Analyse der Plattform „Brücke für Linz“ ergibt.

Die Schwachstellen im Detail

Schwachstelle 1

Verkehrsanbindung im Norden: Komplizierte Kreuzungssituation

Die Zweibrückenvariante hat negative Folgen für die Verkehrsführung. Wie die grobe visuelle Darstellung zeigt, gestaltet sich die Verkehrsanbindung in Urfahr unnötig kompliziert, müssen sich doch Fahrbahn, Straßenbahn, sowie Rad- und Gehwege verkehrsbehindernd überkreuzen.

Schwachstelle 2

Beeinträchtigung Traditionsgasthaus Lindbauer

Durch die erforderliche Zuleitung zur Extrabrücke wird die Linke Brückenstraße westwärts verlegt. Die Parkplätze vor dem Gasthaus Lindbauer entfallen jedenfalls, die stark befahrene Straße würde unmittelbar an den Gastgarten angrenzen. Kein sehr angenehmes Ambiente.

Schwachstelle 3

Beeinträchtigung Volleyballplätze

Während der Bauzeit werden die Volleyballplätze der Baustelle weichen müssen. Nach dem Bau der Begleitbrücke würden jedenfalls die darunterliegenden Beachvolleyball Plätze bzw. den Basketballplatz unfreiwillig teilüberdacht. Damit wird die Aufenthaltsqualität im Donaupark beeinträchtigt.

Schwachstelle 4

Begrenzte Lebensdauer der Brücke und unrealistische Kostenschätzung

Die alte Brücke hat eine begrenzte Lebensdauer. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie lange die alte Brücke wirklich noch benutzbar ist.

Insgesamt ist die präsentierte Kostenschätzung der Brückenretter absolut unrealistisch. Es entsteht unweigerlich der Eindruck, dass am Anfang der Kalkulation das Ergebnis schon feststand. Es ist beispielsweise nicht einmal bekannt, ob, und wenn ja, welche statischen Untersuchungen durchgeführt wurden oder aus wessen Feder der Entwurf stammt. Eine Sanierung über der Donau ohne Abtragung der Brücke ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht machbar, schon gar nicht um den genannten Betrag von 22 Millionen Euro netto. Eines ist klar: Insgesamt kosten zwei Brücken mehr als eine Brücke.

Schwachstelle 5

Verkehrsanbindung im Süden: Zeitverlust, Kurvenradius und Fließverkehr

Die südseitige Verkehsanbindung bereitet den Brückenrettern nicht weniger Kopfschmerzen als in Urfahr. Der entstehende Kurvenradius kann von der Straßenbahn nur mit stark reduzierter Geschwindigkeit bewältigt werden. Auch für den PKW- und Busverkehr verringert sich die Fließgeschwindigkeit durch die Umkurvung der Brücke.

Schwachstelle 6

Stadtentwicklerische und architektonische Qualität

Bei einer Sanierung der Brücke werden 50 % der Teile ausgetauscht, dass wird das Bild der Brücke verändern. Weiters hat die Begleitbrücke einen negativen Einfluss auf die Optik der Eisenbahnbrücke. Auch die Nähe zur Vöest-Brückenfamilie (A7-Brücke und künftige Bypass-Brücken) stellen eine weitere optische und formale Beeinträchtigung dar. Nicht zuletzt wurden aus diesem Grund so genannte Pylonbrücken im Architektenwettbewerb für den Neubau ausgeschlossen.

Abschließend ist festzuhalten, dass der vorgeschlagene Abstand der beiden Brücken zu knapp ist. Das sorgt für Probleme im Winter (Stichwort Salznebel) und für Erschwernisse bei künftigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Plattformmitbegründer und Unternemer Ing. Jürgen Zettl: „Die Zweibrückenlösung der Brückenretter ist mit zahlreichen Problemen verbunden, daher ist aus unserer Sicht der Neubau die bessere Lösung.“